Ein ETF-Name ist kein Zufall – er ist ein komprimierter Steckbrief. Wer ihn lesen kann, versteht das Produkt dahinter.
ETF-Namen wirken auf den ersten Blick komplex: kryptische Abkürzungen, Fachbegriffe und Zusatzangaben reihen sich aneinander. Doch wer versteht, wie sich der Name eines ETFs systematisch zusammensetzt, kann Anlageentscheidungen schneller und fundierter treffen. Dieser Artikel zeigt, wie ETF-Namen strukturiert sind, welche Informationen du darin findest und wie du typische Abkürzungen eindeutig einordnest. Mit diesem Wissen liest du ETF-Namen künftig wie ein Profi. Ein kleiner Hinweis vorab: Der Artikel setzt voraus, dass du bereits weist, was ein ETF ist und was er genau abbildet – nämlich die Wertentwicklung eines bestimmten Indexes, wie z.B. den DAX.

Grundlage sind vier zentrale Bestandteile: (1) Fondsanbieter & Produktlinie, (2) Index-Name, (3) EU-Regulatorik & Währung sowie (4) Ertragsverwendung. Die Angaben in einem ETF-Namen sind grundsätzlich auf Englisch.
1. Fondsanbieter und Produktlinie – wer steckt hinter dem ETF?
Der erste Teil eines ETF-Namens nennt immer den Fondsanbieter, auch Emittent genannt. Direkt danach folgt bei vielen Anbietern die Produktlinie – ein Begriff, der die interne Kategorie eines ETFs bei diesem Anbieter beschreibt.
Der Fondsanbieter / Emittent
Die Fondsanbieter sind meist Tochtergesellschaften von Banken oder großen Vermögensverwaltern. Typische Anbieter sind:
- iShares (gehört zu BlackRock – ein Vermögensverwalter aus den USA)
- Xtrackers (gehört zur Deutschen Bank)
- Lyxor (gehört Amundi – ein französischer Vermögensverwalter)
Kritischer Hinweis
Der Anbieter allein sagt wenig über die Qualität des ETF aus. Entscheidend sind eher die Kostenquote und die Methode, mit der ein ETF einen bestimmten Index wie z.B. den DAX nachbildet (die sog. Replikation). Welche Methoden der Replikation es gibt, werde ich in einem separaten Artikel genauer beleuchten. Dennoch ist die Wahl des Anbieters wichtig für die Reputation und Stabilität, da man bei größeren Anbietern davon ausgehen kann, dass sie Skaleneffekte besser nutzen können und ihre ETFs daher kostengünstiger anbieten können.
Die Produktlinie (Core, Prime, Edge, usw.)
Die Produktlinie wird häufig unmittelbar nach dem Anbieter genannt und beschreibt, welcher ETF-Kategorie der ETF intern bei diesem Anbieter zugeordnet ist.
Core
- Das ist das Basisprodukt bei diesem Anbieter, häufig gekennzeichnet durch sehr große Fondsvolumina und besondere Beliebtheit bei Anlegern.
- Häufig niedrige TER (= Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote) – eine Kennzahl für die laufenden Kosten des ETFs in Prozent, die die Rendite mindern)
- Eignet sich, aufgrund der niedrigen TER, gut für langfristige Buy-and-Hold-Strategien
Kritischer Punkt
„Core“ klingt hochwertig, ist aber primär ein Marketinglabel. Nicht jedes Core-Produkt mit niedrigen TER ist automatisch optimal, hier kommt es auf deine Anlagestrategie an.
Prime
Ist „Prime“ Bestandteil des ETF-Namens kann dies verschiedene Bedeutungen haben, hier ist Vorsicht geboten!
Bei manchen Anbietern, wie Amundi ist Prime ein Hinweis auf besonders kostengünstige ETFs, bei denen ein breiter Markt mit besonders niedrigen Kosten abgebildet wird. Bei anderen Anbietern kann „Prime“ auch einen speziellen Anlagestil beschreiben, wenn in bestimmte Unternehmen mit bester Nachhaltigkeitsbewertung („Prime Status“) investiert wird.
Kritischer Punkt
„Prime“ ist kein Qualitätsmerkmal, sondern Teil eines Plattform-Konzepts und muss immer individuell betrachtet werden.
Edge
„Edge“-Produkte sind Marketingprodukte der Anbieter und teilweise komplexer aufgebaut. Sie folgen je nach Anbieter speziellen Anlagestrategien, wie z.B. unterbewertete Aktien (sog. „Value“) oder wachstumsstarke Aktien (sog. „Growth“). Daher sind auch höhere laufende Kosten bei diesem ETF möglich. Bei manchen Anbietern wird auch anstatt dem Begriff „Edge“ der Zusatz „Value“ oder „Growth“ verwendet.
Kritischer Punkt
„Edge“-ETFs sind nichts für jede Anlagestrategie, denn sie haben je nach Anbieter besondere Ausrichtungen und sind wie „Prime“ immer individuell zu beurteilen.
2. Index-Name – was wird eigentlich abgebildet?
Nach Anbieter und Produktlinie folgt der eigentliche Kern des ETF-Namens: der abzubildende Index.
Beispiele:
- MSCI World (bildet die Wertentwicklung großer und mittelgroßer Unternehmen aus 23 entwickelten Industrieländern ab, umfasst rund 1.500 Aktien mit einem Schwerpunkt auf die USA)
- S&P 500 (der Standard & Poor’s 500 ETF bildet die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA ab)
- FTSE All-World (der Financial Times Stock Exchange All-World ETF bildet die größten 4.300 börsennotierten Unternehmen weltweit ab)
- STOXX Europe 600 (bildet die 600 größten börsennotierten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern, inkl. Schweiz und Großbritannien, ab)
- DAX (bildet die Wertentwicklung der 40 größten und umsatzstärksten deutschen Aktien ab)
Der Index ist die faktische Anlagestrategie, also was genau der ETF abbildet.
Kritischer Vergleich
Gleich klingende Indizes können unterschiedliche Länderabdeckungen und Kriterien haben. Hier ist Vorsicht geboten. Prüfe im Zweifel die genaue Zusammensetzung des ETF.
3. EU-Regulatorik und Währung
Dieser Abschnitt des Namens liefert regulatorische Pflichtinformationen.
EU-Regulatorik & Länderinformationen
- UCITS (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities) ist eine EU-Richtlinie, die Regeln für Investmentfonds betreffend Anlegerschutz und Risikomanagement festlegt. Beispielsweise ist vorgeschrieben, dass Fonds ihre Zusammensetzung und Risiken offenlegen müssen.
- Das Fondsdomizil sagt aus, in welchem Land der Fonds rechtlich registriert ist und verwaltet wird, z.B. LU für Luxemburg, DE für Deutschland, IE für Irland usw. Dies hat für den Fonds rechtliche und regulatorische Auswirkungen.
- ESG-Siegel bei ETFs sind Kennzeichen, dass der ETF auf Nachhaltigkeitskriterien basiert, hierbei steht das „E“ für „Environment“ (Umwelt), das „S“ für „Social“ (Sozial) und das „G“ für „Governance“ (Unternehmensführung). ESG-ETFs schließen Unternehmen aus, die grundlegende Nachhaltigkeits-Kriterien verletzen. Zudem gibt es weitere ESG-Kennzeichen, die über diese Kriterien hinaus gehen. Da das ESG-Siegel allerdings kein geschützter Begriff ist und auch Greenwashing beachtet werden sollte, ist hier Eigenrecherche sehr sinnvoll, damit der ausgewählte ETF auch den persönlichen Anforderungen entspricht.
Währung
Währungs-Zusätze wie USD, EUR, CHF geben an, in welcher Währung der Fonds verwaltet wird. Ist der Fonds währungsgesichert („hedged“), hast du kein Währungskursrisiko. Ist er nicht währungsgesichert, dann können sich Währungsschwankungen zwischen dem Euro und der jeweiligen Währung auf deine Rendite auswirken.
4. Ertragsverwendung – ausschüttend oder thesaurierend?
Dieser Bestandteil des ETF-Namens gibt darüber Auskunft, was mit den Erträgen, die der ETF erwirtschaftet, passiert.
Distributing (Ausschüttend)
Kennzeichnungen: Dist, Dis, D, Distribution
- Bei einem ausschüttenden ETF werden die erwirtschafteten Erträge als Dividenden an den Anleger ausgezahlt
- Eignet sich für Anleger, die regelmäßige Erträge wünschen, die allerdings Schwankungen unterliegen können
- Steuerlich: Die Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer und dem Solidaritätszuschlag (ggf. noch Kirchensteuer), welche direkt bei der Auszahlung einbehalten wird.
Accumulating (Thesaurierend)
Kennzeichnungen: Acc, A, C
- Erträge werden automatisch reinvestiert und nicht an die Anleger in Form von Dividenden ausgezahlt
- Steuerlich: Da es keine Dividende gibt, von der die Abgeltungsteuer (sowie Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) einbehalten werden kann, werden diese Erträge über die Abgeltungsteuer auf die sog. Vorabpauschale besteuert. Wie hoch die Vorabpauschale ist, hängt davon ab, wie hoch der Gewinn deines ETF in dem Jahr war und wie hoch das allgemeine Zinsniveau ist.
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Ein ETF-Name ist kein Rätsel – wenn man seine Struktur kennt
ETF-Namen sind bewusst standardisiert aufgebaut. Wer Fondsanbieter, Produktlinie, Index, Regulatorik und Ertragsverwendung auseinanderhalten kann, versteht ein Produkt deutlich schneller und kann gezielter nach dem richtigen ETF für die eigene Anlagestrategie recherchieren.
Quellen & weiterführende Literatur
Für diesen Artikel wurden ausschließlich etablierte regulatorische, methodische und fachlich fundierte Quellen genutzt:
Regulatorische Grundlagen & Aufsichtsbehörden
- UCITS Directive (2009/65/EC)
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): ETFs im Überblick
Literatur & Websites
- Hill, J. M.; Nadig, D.; Hougan, M.: A comprehensive guide to exchange-traded funds (ETFs), The CFA Institute Research Foundation, 2015
- Börsenlexikon der Deutschen Börse AG
