So startest du ganz konkret mit der Finanzbildung deines Kindes
Finanzbildung klingt erst einmal einfach: „Bring deinem Kind bei, wie Geld funktioniert. “ Doch in der Realität ist es nicht so einfach.
Denn Geld ist nicht nur Sparen, Konsumentscheidungen oder Börsenwissen – es ist eng verknüpft mit Werten, Emotionen, Gewohnheiten und Vorbildern.
Finanzbildung für Kinder bedeutet deshalb nicht, früh ökonomische Regeln, sondern ein gesundes Verhältnis zu Geld zu vermitteln. Und das Schritt für Schritt, altersgerecht und ohne Druck. Am besten gelingt das spielerisch und eingebettet in den Alltag (jüngere Kinder) und den Interessen des Kindes entsprechend.
1. Lernen durch Spielen: Brettspiele
Spiele wie Monopoly oder kindgerechte Wirtschaftsspiele eignen sich gut, um grundlegende Zusammenhänge erlebbar zu machen. Kinder lernen dabei ganz nebenbei, dass Geld begrenzt ist und Entscheidungen Konsequenzen haben.
Im Fokus sollte beim Spielen allerdings weniger das Spiel selbst stehen, sondern die gemeinsame Reflexion während oder nach dem Spiel wie beispielsweise:
- Warum war eine Entscheidung gut oder schlecht?
- Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
So wird aus einem Spiel eine Lernerfahrung ohne erhobenen Zeigefinger.
2. Altersgerechte Bücher zusammen entdecken und besprechen
Bücher bieten einen sehr guten ersten Rahmen, um über Geld zu sprechen, ohne dass es sofort um das eigene Verhalten geht.
Geeignet sind für jüngere Kinder Bilderbücher, die das Thema Geld in Geschichten einbetten, für Grundschulkinder kurze Sachbücher und als erste Jugendbücher Bücher, die die Themen Konsum, Wünsche und Verhaltensweisen / das Mindset behandeln und erste altersgerechte Fachbücher.
Entscheidend ist das gemeinsame Lesen und Besprechen:
- Was macht die Hauptfigur mit ihrem Geld?
- Welche Entscheidung würdest du treffen?
- Kennst du eine ähnliche Situation aus deinem Alltag?
So wird Lesen zu einem Dialog, nicht zu einer Belehrung.
Nehme nicht nur Bücher zur Hand, die das Thema „Geld“ behandeln. Auch Geschichten über Wünsche, Geduld, Teilen und Verzicht sollten einbezogen werden. Diese Themen sind eine emotionale Basis für Finanzentscheidungen in der Zukunft. Denn, wer nie gelernt hat, zu warten, wird später kaum sparen / investieren können.
3. Taschengeld als Lerninstrument
Taschengeld ist eines der wirksamsten Mittel für Finanzbildung, wenn es bewusst eingesetzt wird. Eine bewährte Methode ist das Aufteilen des Taschengelds in drei Kategorien, das „Drei Spardosen Modell“:
- Ausgeben
- Sparen
- Teilen oder Spenden
Das Geld kann in Umschlägen, Dosen oder sonstigen Behältern visualisiert bzw. gesammelt werden. Wichtig hierbei ist, den Prozess zu begleiten, aber nicht zu überwachen oder zu bewerten. Fehlentscheidungen gehören zu einem Lernprozess dazu, diese solltest du deinem Kind nicht nehmen. Biete deinem Kind immer die Möglichkeit, über das Taschengeld und die mögliche Verwendung zu sprechen, gebe Impulse oder Vorschläge, aber erwarte nicht, dass deine Ansichten befolgt werden. Meines Erachtens ist es beim Taschengeld wichtig, dass dein Kind auch konkrete Sparziele entwickelt und nicht einfach abstrakt denkt „Sparen ist gut“. So verknüpft dein Kind Geld nicht mit Verzicht, sondern als positive Möglichkeit.
Du kannst zur besseren Visualisierung auch ein durchsichtiges Sparglas für ein konkretes Ziel (z. B. Ausflug, Spielzeug) besorgen. Lege ggf. auch eine Liste zu jeder Spardose, damit dein Kind das hingelegte Geld zur bessern Übersicht dokumentieren kann. Mit zunehmendem Alter kann das „Drei Spardosen Modell“ auch auf eine vierte Spardosen erweitert werden: Investieren. Dieses Geld kannst du in Absprache mit deinem Kind in einem Depot für dein Kind anlegen.
4. Finanzbildung im Alltag sichtbar machen
Der Alltag bietet zahlreiche Lernmomente, um sich über das Thema Geld auszutauschen. Beispiele sind:
- Einkaufen
- Sparen auf ein gemeinsames Ziel, z.B. Urlaubsplanung
- Vergleichen von Preisen
- Gespräche über Werbung und Konsumwünsche
Kinder profitieren besonders davon, wenn Eltern ihre eigenen Entscheidungen erklären und „laut denken“. Bespreche mit deinem Kind die folgenden Fragen, die du dir selbst unterbewusst stellst:
- Warum kaufen wir das – oder nicht?
- Warum warten wir mit einer Anschaffung?
- Was ist uns wichtiger als Geld?
So wird Finanzbildung nicht zu einem separaten Thema, sondern zu einem natürlichen Teil des Familienlebens.
5. Finanzbildung im Kindergartenalter (3-6 Jahre): Grundlagen ohne Zahlen
In diesem Alter geht es nicht um Geldbeträge, Sparpläne oder Regeln, sondern um den Aufbau von Verständnis und der Beziehung zu materiellen Dingen.
Gute Ansatzpunkte, um in das Thema einzusteigen ist „Kaufladen spielen“ mit dem Nachspielen von Bezahlen ohne eine echte Zahlenlogik. Dabei lernen die Kinder, dass Dinge einen Wert haben, man nicht alles gleichzeitig haben kann und daher Entscheidungen notwendig sind. „Reflektiere“ das Gespielte mit deinem Kind und frage es beispielsweise „Du hast dich für das entschieden. Warum?“
Dein Kind ist kein Kaufladen-Fan? Passe das Spiel je nach Interesse an: Eisdiele, Café, Restaurant, Sportwaren-Geschäft, … Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
6. Finanzbildung im Grundschulalter (6-10 Jahre): Struktur & erste Verantwortung
Zusätzlich zu den in den Punkten 1 bis 4 vorgestellten Ideen sollte hier beachtet werden, dass Eltern oft zu viel über Regeln anstatt über Zusammenhänge reden. Dabei verstehen Kinder in diesem Alter bereits Ursache-Wirkung-Zusammenhänge, einfache Planung und Vergleiche. Nutze dieses Verständnis, um auch einfache Lehrmaterialien, wie zum Beispiel Rätselhefte über das Mengenverständnis, einzuführen. Vor allem das Taschengeld ist in diesem Alter eine sehr gute Basis, um den Umgang mit Geld zu lernen. Begleite dein Kind dabei!
7. Frühe Teenager (11-14 Jahre): Mitdenken statt Mitspielen
In dieser Phase kippt oft die Motivation, wenn die Finanzbildung „kindlich“ bleibt. Mögliche Ansätze, um dein Kind für das Thema zu begeistern sind beispielsweise:
- Einbindung in reale Entscheidungen, bspw. Mitentscheiden bei größeren Anschaffungen, Vergleiche von Angeboten (Preis, Qualität und Nutzen). Passende Fragestellung: „Was würdest du entscheiden und warum?“
- Digitale Materialen mit einbeziehen: Teenager erleben Geld zunehmend digital, wer hier nicht begleitet, überlässt das Lernen den Algorithmen. Entdeckt gemeinsam Finanz-Apps und sprecht über deren potentiellen Nutzen. Thematisiere auch Influencer-Marketing, Abo-Fallen und In-App-Käufe und warum hierbei Vorsicht geboten ist.
- Taschengeld: Gebe nicht vor, wofür dein Kind sparen soll. Lass dein Kind das Sparziel, die Sparstrategie und den Zeitrahmen selbst festlegen. Als Elternteil solltest du Sparrings-Partner, nicht Kontrolleur sein.
8. Teenager (15-18 Jahre): Vorbereitung auf echte Verantwortung
In diesem Alter kann die Finanzbildung sehr konkret und lebensnah erfolgen. Lege den Fokus auf folgende Themen:
- erstes eigenes Konto, das selbst verwaltet wird
- regelmäßige Einnahmen über einen Nebenjob
- feste Ausgaben selbst managen
- Rücklagen bilden für den späteren Lebensweg (Das mag nun für manche übertrieben klingen. Ich bin der Meinung, dass man nie früh genug anfangen kann, sich einen Notgroschen zurecht zu legen. Je nach weiterem Lebensweg – ziehe ich aus für eine Ausbildung/ein Studium oder muss ich mir ggf. die Ausbildung oder das Studium selbst finanzieren – ist dein Kind froh, Geld für einen Notfall beiseite gelegt zu haben.)
- Konsumentscheidungen
Ihr könnt gemeinsam einfache Budget-Pläne erstellen, die die Situation deines Kindes realitätsgetreu abbilden, für Fragen zur Verfügung stehen und auch Gespräche über eventuelle „Finanz-Fehler“ der Eltern führen. Dies sollte bewusst auch thematisiert werden, denn Ehrlichkeit wirkt stärker als jedes Lehrbuch. Aus deinen Fehlern als Elternteil kann dein Kind auch lernen.
Einfach beginnen
Finanzbildung ist kein Schulfach und muss von den Eltern geleistet werden. Robert T. Kiyosaki hat in seinem Buch „Rich Dad, Poor Dad“ passend formuliert: „Die wichtigsten Lehrer eines Kindes sind seine Eltern“. Die Devise lautet daher „Einfach beginnen“. Dieser Ratgeberartikel hat dir bereits einen Einblick gegeben, wie du konkret mit dem Thema starten kannst.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet in meinem Buch „Reich erziehen“ weitere Ideen und Anregungen für Kinder und Jugendliche. Darin geht es nicht nur um den Umgang mit Geld, sondern auch um Werte, Verantwortung und die Frage, wie Kinder langfristig ein gesundes Verhältnis zu Konsum, Sparen und eigenen Entscheidungen entwickeln können. Das Buch setzt dort an, wo viele Ratgeber aufhören: Es verbindet Finanzbildung mit Erziehung, Werten und Vorbildwirkung im Familienalltag.
Das Buch kannst du hier bestellen.
